Themen

Haus am Dom in Worms

12. März 2014

Haus am Dom

Der Landesverband des Architekten-Bundes hat sich zum „Haus am Dom“ zu Wort gemeldet und unterstützt die Domgemeinde. Vorsitzender Professor Heinrich Lessing sieht hier „eine Chance, jetzt das richtige Projekt an dem, auch historisch begründeten, richtigen Ort umzusetzen.“ Dabei lobt der Fachmann ausdrücklich das offene Verfahren, das die Domgemeinde gewählt hatten. Er fügt hinzu: „Dass es in Worms eine Debatte über die geplante Bebauung gibt, zeugt von einer engagierten Bürgerschaft. Debatten um Architektur und Städtebau können, wenn sie richtig geführt werden, ein Projekt nur besser machen.“

Gebäude mit großer Wirkung

Dazu bedürfe es einer sorgfältigen und verantwortungsvollen Auseinandersetzung mit allen Fragen um die Bebauung des Domumfeldes als Grundlage für diese Debatte. Der Bund Deutscher Architekten habe genau diese Auseinandersetzung geführt und spreche sich daher „mit einem klaren Ja zum ,Haus am Dom’ von Heidenreich und Springer aus“, so Professor Heinrich Lessing. Es sei ein Gebäude, das mit einem verhältnismäßig kleinen Volumen eine große Wirkung erziele und damit Teil werde einer weitreichenden städtebaulichen Reparatur eines der wichtigsten Quartiere der Stadt. Gleichzeitig würdige der BDA damit nicht nur die Qualität des Projektes, sondern auch die des Prozesses, des Wettbewerbsverfahrens, der dazu geführt habe.

13 Architekten hatten sich an diesem Wettbewerb beteiligt. Gehe man davon aus, das für einen solchen Wettbewerbsbeitrag 300 bis 600 Stunden an Zeitaufwand erforderlich sind, dann seien etwa 6 000 Stunden aufgewendet worden, um Antworten auf diese Fragen zu finden, rechnet Lessing vor. Jeder Architekturwettbewerb stelle damit „ein kleines Forschungsprojekt“ dar. Dabei seien die Antworten von gestern andere als die von heute und die von morgen, betont der Landesvorsitzende der Architekten: „Jede Generation muss die Frage nach dem richtigen Grundriss, der richtigen Fassade, dem richtigen Dach für sich erneut klären.“ Der Wettbewerb erfordere dabei zunächst von der Bauherrschaft etwas, was manche Bauherrn ungern tun: Eine größtmögliche Öffnung in Bezug auf das Ergebnis. Die größte Qualität, die große Zahl an Varianten zur Bebauung berge dabei die größte Unwägbarkeit, so Lessing: Was wird das Ergebnis sein? Eine besondere Qualität eines ordentlichen Wettbewerbsverfahrens sei die Anonymität der Beiträge.

Fachlich fundiert

Der Gewinn für den Bauherrn, aber auch die künftigen Nutzer, sei eine Optimierung, die Möglichkeit, aus einer Vielzahl von Varianten auszuwählen und entscheiden zu können. Professor Lessing betont dabei, dass diese Entscheidung nicht emotional, sondern fachlich fundiert durch einen geregelten und strukturierten Prozess gefällt werde.

Dieser sieht so aus: Nach der Abgabe der Entwürfe werden die Varianten zuerst von einem Vorprüfungsteam auf Qualität, Defizite und Potentiale untersucht. Ein Preisgericht, das mit externen Fachleuten besetzt ist, analysiert, wägt ab, vergleicht und bewertet die Varianten und kürt schließlich den ersten Preis. Am Ende dieses Optimierungsprozesses steht das Projekt, das im Hinblick auf eine Vielzahl von Kriterien die beste Lösung darstellt, den besten Städtebau, den besten Raum, die beste Gestalt. Diese sehr aufwändige Suche nach dem Ideal habe in Worms stattgefunden, so der BDA-Landesvorsitzende. Bis dahin unbeteiligte Bürger werden nach Bekanntgabe des Ergebnisses mit dem Resultat konfrontiert. Das Fazit für Professor Lessing: „Der Prozess, der zu dem Ergebnis geführt hat, muss jetzt erst nachvollzogen, alle Konsequenzen müssen verstanden und verdaut werden. Das braucht Zeit. Und Offenheit.“